Was für ein Online-Banking wünschen sich kleine und mittelständische Unternehmer ?

9 Monaten

Sie heißen Lexware, Sage, moneymoney oder Debitoor und haben alle ein Ziel: Den finanziellen Alltag von Gründern und Unternehmern zu ordnen. Was bei den Banken derzeit noch in den Kinderschuhen steckt, setzen sogenannte Finanz-Tools bereits erfolgreich mit ihren Kunden um. Das Problem: Um einen richtigen Mehrwert für den Benutzer zu schaffen, müsste es eine reibungslose Verknüpfung zwischen externer Buchhaltungs-Software und Geschäftskonto geben. Genau dort hapert es aber.

Die Finanzhelfer bieten Softwarelösungen, mit denen die Kunden schnell und digital ihre Buchhaltung führen, Lohnabrechnungen machen oder ihre Warenwirtschaft organisieren können. Dinge, die Unternehmer früher zeitraubend in Excel-Tabellen eintragen mussten, können durch die Helfer automatisiert werden. Durch Cloud-Lösungen können auch mehrere Beteiligte daran arbeiten, auch der Steuerberater kann einen Online-Zugriff erhalten.

Einige dieser Softwares bieten auch die Verknüpfung zum Geschäftskonto des Nutzers an. Meist wird das von Seiten der Bank über eine Homebanking Computer Interface Schnittstelle (HBCI) zur Verfügung gestellt, die von einem Zusammenschluss deutscher Banken entwickelt wurde. Durch die Providerunabhängigkeit und öffentliche Standards können bereits viele Softwareunternehmen von Kundenseite aus einen Zugang schaffen.

Allerdings stellen noch nicht alle Banken eine HBCI-Schnittstelle bereit, sei es, weil sie um Sicherheitsstandards fürchten, den hohen technischen Aufwand fürchten oder noch an der Umsetzung bauen.

Verknüpfungsprobleme würden einfacher gelöst, wenn externe Softwareanbieter für die Buchhaltung der kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht mehr nötig wären, sondern es ein integriertes Online-Angebot der Banken gäbe. Diese Lösung wäre im Online-Banking angesiedelt und würde einen sicheren Zugriff erlauben.

Einige Banken machen bereits erste Schritte in diese Richtung: Der neu gestartete “Finanzplaner” der Deutschen Bank soll eigentlich ein “digitales Haushaltsbuch” für Privatpersonen sein, für die “Business-”Version wird damit geworben, dass zumindest Umsätze bestimmten Kategorien wie “Personalkosten” oder “Fahrzeugkosten” zugeordnet werden können. Auch andere Banken, wie zum Beispiel Consors- und norisbank bieten einen digitalen Finanzplaner an, allerdings nur für private Finanzen und nicht für Unternehmen.

Doch was wünschen sich Unternehmen eigentlich von ihren Banken?

Das Handelsblatt hat zu diesem Zweck eine Umfrage unter Unternehmen durchgeführt. Bewertet wurden per Fragebogen die 20 größten überregionalen sowie die 14 größten regionalen Geschäftskundenbanken. Am Ende gingen in die Auswertungen nur die Banken ein, bei denen mindestens 50 Kunden ihre Stimme abgegeben haben. Das war am Ende bei sechs Instituten der Fall.

Überraschend: Bei der Umfrage landeten die Triodos Bank und die Fidor Bank auf den Plätzen eins und zwei, erst dann folgten die größeren Institute wie Deutsche Bank, Commerzbank, Hypovereinsbank und die Postbank.

Beide Gewinner-Banken zeichnen sich durch eine Spezialisierung aus. So richtet sich die Triodos Bank speziell an Unternehmer, die in erneuerbaren Energien, Ökolandbau, Bildung oder Altenpflege tätig sind und so zum Wohl von Mensch und Umwelt beitragen. Fidor setzt vor allem auf digitale und flexible Service-Angebote für Geschäftskunden, die auch per Smartphone anwendbar sind. Besonders bei Beratung, Kundenbindung und Kundenservice schnitten Fidor und Triodos mit “sehr gut” ab.

Welche Schlüsse kann man also daraus ziehen? Eine digitale Lösung, die Kundenservice, Finanzplanung und Beratung in einem ist, scheint dem Wunsch vieler kleinen und mittelständischen Unternehmen zu entsprechen. Das, was externe Software-Anbieter bereits leisten und wofür die Kunden bereit sind, zu zahlen, müsste zu einem integrierten Service- Produkt der Banken werden, damit alle Abläufe rund um die Geschäftsfinanzen automatisiert, digital und übersichtlich verwaltet werden können.

Bisher ist noch keine Lösung in Sicht. Entweder die Banken öffnen sich den externen Anbietern oder sie entwickeln ihre eigenen Finanztools für Geschäftskunden. Wenn es keine Bewegung gibt, werden sie die Unternehmer aber sicherlich verlieren.

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